Projektziele
Das Infans-Konzept zur Frühpädagogik wird an Schweizer Verhältnisse angepasst
In Deutschland sind in den letzten 10 Jahren unterschiedliche Konzepte zur Frühpädagogik entstanden und umgesetzt worden. Eines der am meisten verbreiteten Modelle ist dasjenige von Infans. Die Stärken dieses Konzepts liegen zum einen im Anspruch, international vorhandenes Forschungswissen für die konkrete pädagogische Arbeit in Krippen verfügbar zu machen. Zum anderen arbeitet Infans immer eng mit der Praxis zusammen und entwickelt das Konzept auf Grund der damit gemachten Erfahrungen laufend weiter. Das Konzept muss für die Schweiz stark überarbeitet werden, weil einige wesentliche Voraussetzungen anders sind als in Deutschland:
- Die Betreuung von Kindern in Schweizer Tagesstätten setzt in der Regel früher ein, die Anzahl der Kinder von 0 bis 3 Jahren ist anteilsmässig viel grösser;
- Die meisten Kinder in der Schweiz besuchen Kindertagesstätten nur teilzeitlich (2 bis 4 Tage pro Woche)
- Ein beträchtlicher Teil des Personals arbeitet Teilzeit
- Die Kindertagestätten in Deutschland sind in der Regel grösser und bieten darum andere räumliche und strukturelle Bedingungen, als Einrichtungen in der Schweiz;
- Die Öffnungszeiten sind in der Schweiz bedeutend länger.
Das Konzept wird für die Gruppe der Kleinstkinder (0 bis 2 Jahre) erweitert
Eine besondere Herausforderung bildet die grosse Anzahl von Kindern zwischen 0 und 2 Jahren. Viele Krippen führen spezielle Säuglings- bzw. Kleinstkindgruppen, in denen Kinder bis 18 oder 24 Monate betreut werden, andere betreuen die Kleinsten in altersgemischten Gruppen mit älteren Kindern. Entsprechend sind Krippen verpflichtet, Konzepte zu erarbeiten, welche die Bedürfnisse der Kleinstkinder im jeweiligen Betreuungsrahmen berücksichtigen. Für diese Altersgruppe muss das Infans-Konzept weiter entwickelt und evaluiert werden. Das Projekt soll darum Antworten auf folgende Fragen geben:
- Was heisst Bildung für das Kleinstkindalter?
- Wie kann das Lernen von Kleinstkindern beobachtet, erfasst, begleitet und unterstützt werden?
- Welche Voraussetzungen brauchen Kleinstkinder in der Kindergruppe?
- Was ist die Rolle der Erzieherinnen in der Arbeit mit Kleinstkindern?
Die Erzieherinnen und Erzieher werden für die neue Aufgabe qualifiziert.
Bildungsarbeit im Frühbereich verändert die Perspektive auf die Kinder. Primäre Aufgabe der Erziehenden ist es nicht mehr, den Kindern ein vorbereitetes und ausgewogenes Programm zu bieten, sondern die Kinder in ihrem Tun zu beobachten, daraus Bildungs- und Entwicklungsthemen zu erkennen und den Kindern darauf aufbauend Anregungen und Angebote zu offerieren. Anders als in der formellen Bildung stehen die Interessen der Kinder im Vordergrund und es werden keine vorgegebenen Inhalte vermittelt. Die Erziehungspersonen haben dabei eine begleitende und unterstützende Rolle. Dieser Perspektivenwechsel fordert von den Erziehenden zusätzliche Kompetenzen. Die Qualifizierung findet zur Hauptsache in Weiterbildungsmodulen statt und wird durch das Coaching der Projektleitung vertieft (vgl. Projektverlauf).
Strukturelle und organisatorische Begebenheiten werden den neuen Erfordernissen angepasst.
Die strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen müssen den neuen Anforderungen, Aufgaben und Arbeitsweisen angepasst werden. Gleichzeitig muss die Organisation so strukturiert sein, dass sie sich zu einer lernenden Organisation entwickeln kann. Dafür braucht es geeignete Kooperations- und Kommunikationsformen innerhalb der Organisation, aber auch die entsprechenden Zeitressourcen sowie die ständige Überprüfung von Tätigkeits- und Zeitstrukturen.
