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Ein Thema in Europa und in der Schweiz

In der Schweiz wie in ganz Europa ist in vielen Bereichen eine Bildungsdiskussion im Gange. Dabei ist überall auch der Frühbereich zum Thema geworden. Bereits die OECD-Berichte „Starting strong I und II“ weisen auf die hohe Bedeutung von familienergänzenden Angeboten für die Bildung und Erziehung hin. In den letzten Jahren wurde dies durch Forschungsergebnisse aus verschiedenen Bereichen mehrfach untermauert. Die meisten Länder Europas haben sich der frühen Kindheit angenommen. Es bestehen zwar viele unterschiedliche Konzepte, die aber alle ähnliche Zielsetzungen verfolgen: Die Bildung und Entwicklung der Kinder im Vorschulalter, die Integration der Kinder mit unterschiedlicher Herkunft, die Unterstützung der Familien oder die Chancengleichheit der Kinder beim Eintritt in die Schule.

In der Schweiz ist im Februar 2009 ein Forschungsbericht der Universität Freiburg erschienen, der auf die Bedeutung der frühkindlichen Erziehung, Bildung und Betreuung hinweist. Noch bestehen in der Schweiz, im Gegensatz zur grossen Mehrheit der europäischen Länder, keine Modelle, wie Bildungs- und Lernprozesse in Kindertagesstätten systematisch gefördert und begleitet werden können. Das Projekt bildungskrippen.ch ist ein erstes solches Modell für die Praxis.

Die Bedeutung der ersten Lebensjahre

Die ersten Lebensjahre, das zeigt die Neurobiologie, sind von herausragender Bedeutung für die weitere Entwicklung eines Menschen. Die Unterschiede durch die Herkunft können beim Schuleintritt so gross sein, dass sie während der Schulzeit nicht mehr zu überwinden sind. Ob Kinder in der frühen Kindheit genügend und dem Entwicklungsstand angemessene Anregungen und Impulse erhalten, ist entscheidend für ihre Bildungschancen.

Die Krippe kann die Familie ergänzen

Die Krippe ist für viele Kinder ein einzigartiger Erfahrungsraum, der für den Erwerb von sozialen, kognitiven und motorischen Kompetenzen von grosser Bedeutung ist. Der familiäre Erfahrungsraum ist durch die sich verändernden Familienstrukturen (Einelternfamilien, Einzelkinder, fehlende Verwandtschaft und eingeschränkte Spielmöglichkeiten für Kinder in der unmittelbaren Wohnumgebung usw.) deutlich eingeschränkter geworden.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Immer mehr Frauen sind nach der Geburt des ersten Kindes berufstätig. Gleichzeitig ist der Schweizer Arbeitsmarkt auf erwerbstätige Mütter angewiesen, insbesondere auf die gut qualifizierten. Aus der Sicht der Vereinbarkeit von Beruf und Familie braucht es darum einen weiteren Ausbau der familienergänzenden Betreuung. Durch die Zunahme der Betreuung ausserhalb des Elternhauses erhalten Fragen der pädagogischen Qualität im Frühkindbereich gesellschaftliche Bedeutung. In der Schweiz ist der Anteil der Kinder unter 18 Monate in den Betreuungseinrichtungen grösser als in anderen Ländern, was nicht zuletzt auf den vergleichweise kurzen Mutterschaftsurlaub zurückzuführen ist. Je früher ein Kind in die Krippe eintritt und je mehr Zeit es dort verbringt, desto wichtiger sind qualitative Aspekte. Es braucht daher dringend pädagogische Konzepte, die auf die besonderen Entwicklungsbedürfnisse von Kleinstkindern zugeschnitten sind. Während sich die politische Debatte in den letzten Jahren vor allem um den quantitativen Ausbau der familienergänzenden Betreuung drehte, fehlen in der Schweiz bis heute pädagogische Innovationen, welche auf qualitative Aspekte zielen.

Chancengleichheit in der Bildung

Das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Schweizer Kindern in der PISA-Studie wird von Fachleuten unter anderem auf die fehlenden Betreuungs- und Förderungsstrukturen im Kleinkindbereich zurückgeführt. Durch den vergleichsweise späten Schuleintritt werden die Familien bei den grundlegenden Bildungsprozessen in der frühen Kindheit alleine gelassen. Dies trägt zu Selektivität und Chancenungleichheit im Schweizer Bildungssystem bei.

Die frühere Förderung ist ein Postulat, dass sowohl die Bildungsforschung, aber auch Wirtschaftsverbände und -organisationen unterstützen. In Deutschland haben Wirtschaftsstiftungen wie die Bertelsmann-Stiftung oder die Robert-Bosch-Stiftung , Unternehmen wie McKinsey oder der Bund deutscher Arbeitgeberverbände eigene Projekte und Initiativen zu frühkindlicher Bildung lanciert.